Haus Schöntal

Berlin, 2014

Architekturpreis Berlin 2016 nominiert

Exakt geplante Durchbrüche und Sichtbeziehungen im ganzen Haus bringen Großzügigkeit und verbinden die einzelnen Räume miteinander: So ermöglicht beispielsweise die quadratische Öffnung zwischen Entree und Küche einen überraschend tiefen Blick von Garderobe und Gäste-WC über die Küche zur Terrasse bis hinein in den Garten. Von der Küche aus kann man zurück über den Eingang hinaus schauen: »Wer kommt gerade vorbei?«
Die »normale« Küchenzeile wird zum Hochschrank und entwickelt sich weiter um die Ecke. Sie wird zur Wand in Esszimmer und Flur, die wie hineingestellt in das Haus wirkt. Wand und Möbel verschmelzen zu einem räumlichen Element. Das »Besondere« jedes Raumes und seiner Nutzung bringt individuelle Räume hervor, die im Gesamtgefüge des Hauses dennoch zusammengehören: Das tiefer liegende Kinderzimmer ist unten rosa und oben weiß gestrichen, das Obenliegende umgekehrt. Beide Zimmer greifen so optisch und räumlich ineinander. Der Farbwechsel nimmt genau die Höhe der Fensternischen auf.
Die Garderobenbox im Entree wird zur Flurwand, die bis in den ersten Stock reicht und hier zur Treppenbrüstung wird. Darüber liegt das Dachstudio, das mit Seekieferplatten rundum an Boden, Decke und Wand verkleidet ist: ein Rückzugsort mit Aussicht und benachbarter Sonnenterrasse. Drei Fenster öffnen den Raum: ein Dachfenster belichtet den Arbeitsplatz, ein kleineres Fenster in der Alkoven-Nische rahmt den Blick über Nachbarschaft und Garten und ein großes Fenster erweitert den Raum über das blaue Treppenhaus hinaus auf die Dachterrasse und unterstreicht das Gefühl, zuhause und doch enthoben in einer Gartenlaube zu sein.
Die Einfachheit und Leichtigkeit des Dachstudios deutet sich schon durch die weiße Stahltreppe an: Wie eine Stiege zur Kemenate und auf das Dach ist sie einfach und fein detailliert zugleich.

INFORMATION

Innenarchitektur, Neubau LPH 1—8 | Planungszeit: 2013.05–09 | Bauzeit: 2013.10—2014.05 | Wohnfläche: 195 m² / BGF: 241 m² / BRI: 758 m³ | Standort: Berlin | Bauherrschaft: privat | Architekten Rohbau: Heberle Mayer Architekten, Berlin | Tischlerarbeiten, Stahltreppe, Malerarbeiten: Juan Martinez Carmelo, Berlin

© 2014 REICHWALD SCHULTZ, Projektteam: Marc-Philip Reichwald, Peter-Karsten Schultz, Florian Müller | Fotograf: Marcus Ebener, Berlin